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Diskussion um Atomausstieg - Neue Studien von Meike Srowig
Ausstieg aus dem Ausstieg - 24 Jahre nach Tschernobyl ist die Diskussion um die Atomkraft wieder
voll entfacht. Dabei zeigen Studien, dass Deutschland ohne weiteres ohne Atomenergie auskommen kann. Einzig die Infrastruktur fehlt bisher.

Am 26. April 1986 kam es zum schlimmsten Unfall in einem Atomkraftwerk im sowjetischen Tschernobyl. Die Gefahren, vor denen die Gegner der Atomkraft vor allem seit den 70er Jahren gewarnt hatten, wurden auf einmal von einem Tag auf den nächsten sichtbar. Die anhaltende gesellschaftliche Diskussion endete in Deutschland im Jahre 2000 mit einer Vereinbarung zum Ausstieg aus der Atomenergie zwischen der damaligen rot-grünen Regierung und den Energieversorgern.

Klimaschutz dank Atomstrom?
Doch Zeiten ändern sich, Tschernobyl scheint weit weg, Klimaschutz möglichst CO2-neutral steht im Vordergrund und das geht für viele nur mit einem Ausstieg aus dem Ausstieg und einer Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke. "Die Idee der Laufzeitverlängerung ist ein Placebo", sagt Felix Matthes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut, der unter anderem auch die Bundesregierung berät. "Keiner kann mir garantieren, dass die Atomkraftwerke dann tatsächlich 60 Jahre betrieben werden können. Es fehlt an Personal und auch den technischen Voraussetzungen. In der Realität werden sie sehr viel kürzer betrieben werden."

Abschaltjahre der Atomkraftwerke

Das Schlimme an einer solchen Verlängerung wäre, dass man vor allem die Diskussion um eine neue Infrastruktur der Netze immer weiter nach hinten schieben würde. Doch genau eine solche Neuordnung ist dringend nötig und zwar europaweit.

Verzögerung als Belastung
Denn im Norden und im Süden sind bereits und wachsen weiter die großen Zentren für erneuer-bare Energien wie etwa die Windkraft in der Nordsee. Hier haben die Anrainerstaaten sich bereits zusammengeschlossen. 30 Milliarden Euro soll das Projekt in der Nordsee kosten und jede Menge erneuerbare Energien erzeugen. Ein vergleichbares Projekt ist auch bereits für den Mittelmeerraum vorgesehen. Von dort aus muss dann der Strom in Europa verteilt werden. "Für so einen Umbau muss man eine Vorlaufzeit von 10 bis 15 Jahren rechnen", sagt Matthes, "machbar ist es aber und die Investitionen sind vergleichbar gering." Vor einer Verzögerung der notwendigen Infrastrukturmaßnahmen warnt auch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Darin heißt es: "Das Warten auf einen Baubeginn für eine notwendige große Neuordnung der Infrastruktur bis 2015 (oder noch später) wäre eine große Belastung für die Wirtschaft." Gleichzeitig betont McKinsey, dass es für Europa kein Problem wäre, bis 2050 seinen Ausstoß an CO2 durch erneuerbare Energien um 80 Prozent zu senken.

CO2-neutral in Deutschland machbar
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der Prognos AG, des Ökoinstituts und Dr. Ziesing. Sie gehen davon aus, dass Deutschland bis 2030 zwischen 60 und 70 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien beziehen kann. "Dazu kommt, dass der Energiebedarf in Deutschland bis 2050 zurückgehen wird", sagt Matthes. "Das hängt mit einem Rückgang der Bevölkerung zusammen sowie den Sparpotenzialen, die es noch bei der

Auch ein Ausbau von Elektroautos würde diesem Kurs nicht entgegenstehen. Die deutschen Szenarien sorgen für internationale Aufmerksamkeit. Denn sollte es beim Atomausstieg bleiben, dann hat Deutschland eine Vorreiterrolle inne. Ob es so bleiben wird, das wird sich wohl im Sommer oder spätestens Herbst entscheiden, wenn mit einer Erklärung der Bundeskanzlerin zum Ausstieg aus dem Ausstieg gerechnet wird.

Atomkonzerne und die Atomparteien FDP und CDU regieren das Land

Die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist eine Gefahrzeitverlängerung und ein gezielter und lange geplanter Betrug von Atomkonzernen und Atomparteien. "Die deutschen Kernkraftwerke sollen nach Plänen der schwarz-gelben Koalition bis zu 60 Jahre lang laufen dürfen. Die beteiligten Ministerien hätten sich darauf geeinigt, auch eine Verlängerung der Laufzeiten um 28 Jahre förmlich prüfen zu lassen" berichtete die die Süddeutsche Zeitung am 26.3.2010.

Der Betrieb von Atomkraftwerken funktioniert nur in Ländern, in denen die Verantwort-lichen nicht damit rechnen müssen, im Falle eines schweren Unfalls zur Rechenschaft gezogen zu werden!


Die Atomindustrie und ihre Lobbyisten in den Parlamenten wollen die alten Atomkraftwerke länger laufen lassen und damit gut verdienen. Langfristig sollen sehr wahrscheinlich auch neue AKW gebaut werden. Teure Werbeagenturen sorgen erfolgreich dafür, dass nur über "Randaspekte" dieser Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

Die beiden wichtigsten Aspekte dieser Debatte, die mit der AKW-Laufzeit-verlängerung verbundene zunehmende Gefahr katastrophaler Unfälle und die mit langen Laufzeiten verbundenen satten Gewinne der Energiekonzerne, fallen in dieser Debatte und der Medienberichterstattung zumeist unter den Tisch und dies hat seine Gründe.

Bei der Debatte um die AKW-Gefahren, um Kinderkrebs und Laufzeitverlängerung verwundert immer wieder die Vehemenz mit der die Atomlobby, Atomkonzerne und Atomparteien für ein höheres Atomrisiko streiten. Warum werden die Gefahren nicht gesehen? Die Antwort ist einfach. "Its the economy stupid“ Es geht ums Geld, um sehr viel Geld. Die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt uns allen viele Risiken, den Atomkonzernen und vermutlich auch den Lobbyisten aber viel Geld:

Die Heinrich Böll Stiftung hat die satten Gewinne berechnet, welche die Triebfeder der Atomlobby sind:
„Für die älteren – und in den nächsten Jahren zur Stilllegung anstehenden – Atomkraftwerke ergeben sich „Zusatz“erträge von durchschnittlich 200 bis 300 Mio. Euro jährlich, für die neueren Anlagen summieren sich die jährlichen Zusatzerträge auf 300 bis 400 Mio Euro. Über alle (aktuell noch betriebenen) Atomkraftwerke und alle Betreiber summieren sich diese Zusatzerträge für jeweils ein Jahr Laufzeitverlängerungen auf ein Gesamtvolumen von 4,6 bis 6,2 Mrd Euro.

  • für die Atomkraftwerke des RWE etwa 1,2 bis 1,6 Mrd. Euro jährlich;
  • für die Atomkraftwerke von E.ON etwa 1,9 bis 2,6 Mrd. Euro jährlich;
  • für die Atomkraftwerke von EnBW etwa 1,0 bis 1,3 Mrd. Euro jährlich;
  • für die Atomkraftwerke von Vattenfall Europe etwa 0,3 bis 0,4 Mrd. Euro jährlich.“ Zitatende

Der Ausstieg aus dem Ausstieg lässt in einem Teil der Bevölkerung den Glauben an demokratische Veränderungen schwinden. Dies kann, in letzter Konsequenz, auch zu einer Entfriedung führen, die politisch niemand wollen kann.
Axel Mayer
www.bund-freiburg.de

 

 

 

     Pressemitteilung Bärbel Mielich MdL, Freiburg 11.12.2009               

Ölunfall in Fessenheim Öl hat Grundwasser erreicht

Entgegen bisheriger Meldungen hat der Ende Oktober bekannt gewordene Dieselölunfall im Atomkraftwerk Fessenheim doch zu Verunreinigungen des Grundwassers geführt. Dies teilte das Umweltministerium Baden-Württemberg auf Anfrage der Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich, Bündnis 90 / Die Grünen, mit.

 

Bei Bohrungen sei im Umfeld von etwa 30 Metern um den Betonkanal, in dem die lecke Rohrleitung verläuft, eine zwei Zentimeter dicke Ölschicht auf dem Grundwasser festgestellt worden, teilte das Umweltministerium mit. "Offensichtlich ist aber noch nicht einmal genau geklärt wo das Dieselöl ausgetreten ist", stellt Bärbl Mielich besorgt fest. Sicher sei wohl lediglich, dass es sich um eine Kraftstoffleitung handle, die Notstromdieselaggregate im Block II des Atomkraftwerks mit Kraftstoff versorgt. "Aus dem Antwortschreiben geht hervor, dass offenbar noch nicht einmal eindeutig geklärt ist, ob das Öl an einer oder an mehreren undichten Stellen ausgetreten ist", erklärt Bärbl Mielich. "Unklar bleibt auch, ob die defekte Leitung mittlerweile repariert oder stillgelegt ist und wie die Treibstoffversorgung der Notstromaggregate im Falle eines Ausfalls der Treibstoffleitung, z. B. bei einem Totalabriss, gesichert ist". Auch wenn die Notstromsysteme redundant ausgelegt seien, sei die Sicherung der Kraftstoffversorgung ein wichtiger Faktor.

 

Die Rohrleitungen verlaufen in einem betonierten Kanal, der an seiner tiefsten Stelle betonierte Auffanggruben aufweist. Ein korrosionsbedingtes Leck wurde auf Höhe einer dieser Gruben festgestellt. Dabei war die Rohrleitung erst im September einer vorgeschriebenen Prüfung unterzogen worden, ohne dass die Korrosion festgestellt worden war. Der Betreiber gehe davon aus, dass der Dieselkraftstoff durch den Beton der beiden Auffanggruben ins Erdreich gesickert sei. Die französische nukleare Sicherheitsbehörde ASN sehe aber zudem die Möglichkeit, dass der Dieselkraftstoff aus einer PVC-Leitung, die die beiden Gruben verbindet, in den Untergrund ausgetreten sein könnte. Etwa 20 m³ Dieselöl sollen ausgetreten sein. Wobei aufgrund der visuellen Ablesung eine Ungenauigkeit von einigen Kubikmetern bestehe, so die Auskunft des Umweltministeriums. 7m³ konnten aus dem Betonkanal zurück gewonnen werden, so dass davon ausgegangen werden muss, dass mindestens 13 m³ Dieselöl in den Untergrund gelangt sind.

 

"Dieser Zwischenfall steht wieder einmal exemplarisch für den Zustand des Atomkraftwerks Fessenheim", stellt Bärbl Mielich bestürzt fest. "Es ist offenbar noch nicht einmal bekannt, wo und wie viele undichte Stellen sich in den Treibstoffleitungen befinden. Auffangbecken sind zwar vorhanden, aber nicht dicht, so dass das aufgefangene Dieselöl trotzdem in den Untergrund entweichen kann. Dass die Leitungen korrodierten war nicht bekannt, obwohl die Rohrleitungen erst im September einer vorgeschriebenen Überprüfung unterzogen waren. Wenn es im nuklearen Teil der Anlage genau so aussieht, wovon man leider ausgehen muss, dann laufen mir kalte Schauer über den Rücken", so Bärbl Mielich. Das Vertrauen in die 10-Jahresrevision sinke nach diesem Vorfall noch einmal erheblich. "Es zeigt einmal mehr, wie unsicher das uralte AKW Fessenheim ist. Es am Netz zu lassen ist im höchsten Maße unverantwortlich".